Juni 2016

"Information"?

Dr. Hans Peter Weinschenck

Von Jahr zu Jahr häufen sich bei uns die Anfragen zu Nahrungsergänzung und Naturmedizin, die über den Internet-Versand erworben wurden. Seriös erscheinende Anbieter bieten alles an, „was das Herz begehrt“: Fatburner, Anti-Aging-Produkte, Potenzmittel, Entschlackungsmittel, Entgiftungsmittel, Anti-Krebsmedizin, Muskelaufbaumittel, .... pflanzliche Cholesterinsenker.

Es stellt sich in mehrfacher Hinsicht die Frage, was grundsätzlich davon zu halten ist.

  1. Jeder sollte sich im Klaren darüber sein, daß das Internet ihm genau die Antwort gibt, die er erwartet. Von einer objektiven und unabhängigen Antwort kann also überhaupt gar keine Rede sein. Das gilt insbesondere dann, wenn man die sogenannten „Cookies“, die Browserhistorie und andere Einstellungen nicht entsprechend verändert hat. (Anm.: Auch mir gelingt dieses Kunststück nur mit Hilfe meines Computerfachmanns) Im Klartext: Das Suchprogramm weiß im Voraus die Antwort, die man gerne hätte. Jemand, der sich für Naturheilkunde interessiert, wird ein anderes Suchergebnis erzielen, als jemand der sich im Zweifel lieber auf die Schulmedizin verläßt.
  2. Vertrauenswürdig? Es gibt im Netz buchstäblich nichts, was man nicht auch kopieren oder vorgaukeln könnte. Vor einiger Zeit haben Spezialisten in wenigen Stunden versuchsweise eine sogenannte „Fake“-Seite (=gefälschte Seite) einer absolut seriös erscheinenden Versandapotheke voll funktionsfähig programmiert und das sogar inklusive des Sicherheits-EU-Siegels mit entsprechender Verlinkung (= offizielle Bestätigung der Echtheit der Seite).
  3. Es wird gelogen, daß sich die Balken biegen. Die immense Flut der Informationen im Netz verhindert eine wirksame Kontrolle der Werbeaussagen durch Behörden. „Wo kein Kläger, ist auch kein Richter“: de fakto ist das Internet ein rechtsfreier Raum, weil es ganz einfach unübersehbar ist. Es ist oft unmöglich, wahre Aussagen von falschen Versprechungen zu unterscheiden. Ein Beispiel: Die Wirkung des - damals auch von Heilpraktikern empfohlenen - „Bio-Antibiotikums“ Citricidal beruhte mitnichten auf dem angepriesenen Grapfruitkernextrakt. Vielmehr kam die Wirkung durch die extrem hohe Konzentration eines synthetischen Konservierungsmittels zustande.
  4. Was draufsteht ist oft nicht drin. Mir sind etliche Fälle persönlich bekannt, in denen Menschen in gutem Glauben bekömmliche „Naturmedizin“ erwarben, welche jedoch nicht erkennbar, gefährliche, verschreibungspflichtige Substanzen enthielten. Es traten schwerwiegende Nebenwirkungen auf. In einem Fall starben sogar mehrere Menschen, die mit Hilfe von Naturmedizin ihre Pfunde purzeln lassen wollten.
  5. Die Qualität läßt sich nicht wirksam kontrollieren. Zwar ist es die Aufgabe der Lebensmitteluntersuchungsämter die angebotenen Nahrungsergänzungen zu kontrollieren, doch dieses ist angesichts der ungeheuren Flut der Produkte schier unmöglich. Zudem operieren viele Unternehmen im Ausland und entziehen sich so dem Zugriff der Behörden. Im Vergleich zu deutschen Arzneimitteln sind die Qualitäts-Auflagen für Nahrungsergänzung übrigens deutlich niedriger bzw. gar nicht vorhanden. Vor kurzem wurde mir von einem Fall berichtet, in dem ein namhafter Hersteller sein eigenes Reinheitsversprechen systematisch unterlaufen hatte. Erst eine durch einen Arzt nachträglich veranlasste Laboranalyse brachte die Wahrheit ans Licht.
  6. „Information?“ Natur ist nicht grundsätzlich harmlos und verträgt sich auch nicht immer mit den vom Arzt verordneten Dauermedikamenten. Hinweise auf Gegenanzeigen und Nebenwirkungen fehlen auf den einschlägigen Internetseiten/-shops in der Regel völlig. Wer seinen Cholesterinspiegel mit frei im Netz erhältlichen Rotschimmelreis senken möchte, sei eindringlich gewarnt. Rotschimmelreis enthält den verschreibungspflichtigen Wirkstoff Simvastatin, der bei Unverträglichkeit zu Muskel- und Nierenschäden führen kann. Doch damit nicht genug. Kürzlich wurde der Fall eines Patienten dokumentiert, welcher aufgrund einer Simvastatin-Unverträglichkeit von seinem Arzt den Wirkstoff Gemfibrocil verordnet bekam. Da sich aber Gemfibrocil als deutlich weniger wirksam als das bisherige Medikament herausstellte, fragte den Patient in seiner Hausapotheke von sich aus zusätzlich nach einem Rotschimmelreisprodukt. Darüber hatte er sich im Internet „informiert“. Der verantwortungsvolle und gut informierte Apotheker erkannte die Gefahr sofort: Die Kombination aus Gemfibrocil und Rotschimmelreis erhöht das Risiko für schwerwiegende Muskel- und Nierenschäden ganz besonders stark. Zum Glück konnte die drohende Gefahr im persönlichen Gespräch abgewendet werden.

 

  1. Fazit: Naturmedizin und Nahrungsergänzung aus dem Internet haben das Zeug zum russischen Roulette. Der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen. Wer auf Nummer sicher gehen will fragt seinen Hausarzt und seinen Hausapotheker.

 

Dr. Hans Peter Weinschenck , Kgl. Priv. Apotheke Satrup / Mittelangeln

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