Juli 2021

Leeres Versprechen

Dr. Hans Peter Weinschenck, Kgl. Priv. Apotheke in Satrup, Mittelangeln

Im Internet meint man mitunter über unbegrenzte Möglichkeiten zu verfügen, das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel. Im Fachblatt „Zeitschrift für Phytotherapie“ vom April 2021 erschien ein Beitrag von Prof. Dr. Hensel und seinen Mitarbeitern vom Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie der Universität Münster. Darin untersuchten die Wissenschaftler Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Heidelbeeren (lat.: Vaccinium myrtillus) im Hinblick auf die Qualitätssituation. Wie es sich für eine seriöse wissenschaftliche Veröffentlichung gehört, versichern die Autoren, daß sie sich in keinem Interessenskonflikt befinden.

Heidelbeeren enthalten sogenannte Anthocyane (verantwortlich für die blauviolette Färbung), welche  z.B. unterstützend bei Krampfaderleiden oder auch Durchblutungsstörungen des Auges (Makuladegeneration, Kurzsichtigkeit, diabetische Retinopathie) helfen können. Zudem wirken diese Substanzen (wie zahllose andere pflanzliche Farbstoffe) entzündungshemmend (z.B. auf Magen- und Darmschleimhaut), antiallergisch, zellschützend, krebshemmend, wundheilungsfördernd, gefäßschützend, antibakteriell und antiviral. Günstige Wirkungen von Heidelbeerextrakt wurden auch auf den Blutdruck und die Blutfette beschrieben. Trotz umfangreicher wissenschaftlicher Daten gibt es in Deutschland bisher (noch?) keine zugelassenen Heidelbeer-Arzneimittel. Auch im Lebensmittelbereich hat die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für Heidelbeeren bisher keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen (sogen. „health claims)“.

Dessen ungeachtet finden sich im Markt/Internet Produkte auf Heidelbeerbasis mit eindeutigen gesundheitsbezogenen Aussagen. Für den Laien, aber auch selbst für den Apotheker oder Arzt, ist die Qualität entsprechender Produkte nur sehr schwer zu beurteilen. Die begehrten und daher sehr teuren Heidelbeeren werden zudem oft mit Verfälschungen „gestreckt“.

Die Münsteraner untersuchten 11 Nahrungsergänzungsmittel (Kapseln) auf Heidelbeerbasis. Nur 5 davon (45%) konnten im Hinblick auf Qualität und Gehalt uneingeschränkt empfohlen werden. Die restlichen Proben befanden die Wissenschaftler für inakzeptabel: die Produkte enthielten nicht das, was sie versprachen. In vier dieser „Nieten“ war KEIN Heidelbeerextrakt enthalten! Dazu zählen auch die „Myrtillus-Kapseln“ von Vitaworld Taunusstein/Deutschland, welche ich mir im Netz näher angesehen habe. Die entsprechende Google-Suche fördert umgehend eine Unmenge an Eintragungen zutage, an der Spitze natürlich die Shop-Einträge üblichen Versender und Versandapotheken. Meine Meinung dazu: eine seriöse Apotheke bietet keine Produkte an, deren Qualität sie nicht beurteilen kann. Gleich über der Liste der Suchergebnisse finde ich übrigens eine Anzeige der medpex-Versandapotheke mit Myrtillusbeere Kapseln mit 21 Kundenbewertungen – alle mit 5 Sternen -. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich die Kundenbewertungen aus meiner Sicht als versteckte Werbung (um rechtliche Abmahnungen zu umgehen): es werden „hübsch der Reihe nach“ sämtliche eingangs erwähnten positiven Eigenschaften der Heidelbeere von den Kunden erwähnt. Sogar gegen das Restless-Legs-Syndrom sollen die Kapseln geholfen haben, was ich jedoch stark bezweifele.

In meinen inzwischen 31 Berufsjahren habe ich nicht nur mehrfach erlebt, daß die deklarierten Inhaltsstoffe in entsprechenden Produkten komplett fehlten, sondern mehr noch: immer wieder gab es gefährliche Beimischungen auch mit verschreibungspflichtigen Substanzen, die auf der Liste der Inhaltsstoffe überhaupt nicht zu erkennen waren. In den 1990-er Jahren bewarb der Fernseh-Pastor Jürgen Fliege indische Weihrauch Kapseln gegen Rheuma, die sich nach näherer Untersuchung als stark cortisonhaltig erwiesen. Damals erlebte ich leider auch einen Todesfall und eine durch dubiose Schlankheitsmittel schwer geschädigte Frau (noch nach dem „Tupper-Prinzip“ vertrieben).

Dieselbe Münsteraner Arbeitsgruppe veröffentlichte im Jahre 2019 eine Untersuchung von Nahrungsergänzung auf Brokkolibasis u.a. zur Unterstützung bei Krebserkrankungen mit demselben katastrophalen Ergebnis. Von 14 untersuchten Produkten entsprachen nur 5 der aufgedruckten Deklaration, mehrere Produkte enthielten erhebliche Mengen an nicht aufgeführten brokkolifremden Substanzen, in weiteren war überhaupt kein Brokkoli nachweisbar.

Derartiger Lebensmittelbetrug („food fraud“) explodiert durch das schier grenzenlose Internet. Darüber können auch aufwendige Siegel, sowie Qualitäts- und Reinheitsversprechen auf den Webseiten nicht hinwegtäuschen. Oft werden die Produkte mit entsprechenden Aussagen wie zugelassene Arzneimittel präsentiert, obwohl sie nach den gültigen Gesetzen für Arzneimittel nicht in Bezug auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit kontrolliert wurden. Wie die Autoren der Untersuchung rate ich, wann immer möglich, die entsprechenden Lebensmittel regelmäßig und am besten in Öko-Qualität in der Küche zu verwenden, statt fragwürdige Kapseln mit Pflanzenextrakten wie z.B. mit  Knoblauch, Bärlauch, Ingwer, Curcuma, Brokkoli, Heidelbeeren, chinesische Pilze zu schlucken. Im Zweifel gehen Sie lieber auf Nummer sicher und fragen am besten Ihren Apotheker vor Ort.

Dr. Hans Peter Weinschenck

 

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