November 2025
Weg damit!
Weg damit!
Vor 300 Jahren war Zucker der pure Luxus. Damals nahmen die Menschen geschätzte 2kg Zucker pro Jahr zu sich. Allerdings beschränkte sich das Vergnügen wohl auf die Adelskreise, für die meisten Menschen dürfte das süße Gold unerschwinglich gewesen sein.
Das aktuelle Ausmaß überstieg meine Erwartungen bei weitem: Heutzutage „genießen“ wir rund 50kg Zucker pro Kopf und Jahr, das sind sagenhafte 46 Stück Würfelzucker am Tag (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2022). Daß dieses eindeutig zuviel des Guten ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. „Bist Du zuckersüchtig? Mach den Selbsttest!“ Dieses Angebot auf der Website der Pronova BKK spricht Bände.
Unsere findige Nahrungsmittelindustrie präsentiert den vermeintlichen Ausweg aus der Misere: „Wenn Du willst, kannst Du alles haben!“ so die Werbung für kunstsüßes „Coca Cola Zero“. Es ist beeindruckend, wie sich darin Manuel Neuer in eine attraktive Brünette verwandelt. Im folgenden berichte ich aus einer Übersichtsarbeit des wissenschaftlichen Dienstes des deutschen Bundestages aus dem Jahr 2023, welche die Abgeordneten zum Thema „Gesundheitliche Auswirkungen von Süßstoffen“ informieren sollte.
Süßstoffe sind weltweit die einsamen Spitzenreiter unter den Zusatzstoffen in Lebensmitteln, Nahrungsergänzung und Arzneimitteln. Der Rhein befördert jährlich 42 Tonnen des Süßstoffes Acesulfam ins Meer, leider wird diese Substanz (wie andere auch) nicht durch die Kläranlagen abgebaut. Süßstoffe finden sich daher in nennenswerter Konzentration in den meisten Oberflächengewässern, an gewissen Orten in Spuren auch im Trinkwasser. Der wissenschaftliche Dienst schreibt dazu: „…Umweltauswirkungen der synthetischen Substanzen, die offenbar weder im Körper noch in den Kläranlagen abgebaut werden können, seien derzeit noch nicht absehbar….“
Laut dem Bundesamt für Risikoforschung ist die tatsächlich aufgenommene Menge pro Kopf nicht klar einschätzbar, da die Stoffe meist kombiniert werden (so auch bei Coca Cola Zero). Insbesondere für Kinder sei das Risiko ungewiss (25% der Kinder konsumieren täglich Süßstoffe). Weiterhin zitiert der Bericht eine Übersichtsarbeit der WHO (Weltgesundheitsorganisation), aus der erhöhte Risiken für Sterblichkeit, Krebs, hohes Körpergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, gestörte Darmflora, Entzündung und hormonelle Fehlsteuerung hervorgehen. Dem in der biologischen Entwicklungsgeschichte unbekannten Signal „Es kommt Süßes ohne Energiegehalt“ folge eine Fehlsteuerung der Hormone, warnen die Wissenschaftler.
Wer es süß liebt, sollte das Original bevorzugen. Unser Körper kennt den Zucker, denn dieser entstammt der Natur und nicht der Retorte. Das Ursprüngliche schmeckt stets am besten und ist allemal gesünder als künstliche Ersatzstoffe. Und dann bleibt es am besten - wie vor 300 Jahren - nur bei einem sporadischen Genuß. Die Dosis macht das Gift.
Dr. Hans Peter Weinschenck

